Damals, in Staaken, da stand der Fernseher in unserem Wohn-Eßzimmer. So, dass man vom Eßtisch aus gucken konnte. Sonntags guckten wir zum Abendbrot Raumschiff Enterprise; und als ich einmal krank war und nicht in die Schule durfte, da zeigte das DDR-Fernsehen (was ansonsten nur das Sandmännchen zeigen durfte und sonst gar nichts, weil das waren ja die Kommunisten) "Iwan der Schreckliche" - in schwarz-weiß. Vormittags. Ich habe das in Schlafanzug und Bademantel auf einem Stuhl hockend geschaut (schließlich war ich ja krank) - und oh, ich weiß noch, wie fasziniert ich war, von den opulenten Kostümen und von dem angenehmen Grusel, den mir der Aufstieg des jungen Iwan und sein Kampf gegen die ewiggestrigen "Bojaren" verschaffte. Heute weiß ich: Das war ein Film von einem der Größten, von Sergej Eisenstein - richtig, der mit dem "Panzerkreuzer Potjemkin", in dem sich die gern zitierte Szene mit dem eine Treppe herabrollenden Kinderwagen findet.
Ich erinnere mich auch noch an "Mondbasis Alpha 1" mit Martin Landau und Barbara Bain; das spielte im Jahr 1999, damals eine ferne, imaginäre Zukunft. Nunja, mittlerweile haben wir 2009 und sind von einer Basis auf dem Mond noch immer weit entfernt.
Waren das "kindgerechte" Filme? Nein. Sie waren es genauso wenig, wie die Schallplatten von Beethoven und Tschaikowsky, die ich mir auf dem Plattenspieler meines Vaters immer und immer wieder angehört habe - und beide Komponisten bringen noch heute in mir eine Saite meiner Seele zum Klingen.
Damals wußte ich nicht, dass ich es bei "Iwan dem Schrecklichen" mit Kunst zu tun hatte. Genauso wenig, wie ich wußte, dass Tschaikowsky oder Beethoven Kunst sind. Aber ich weiß heute, dass große Kunst sich auch dadurch auszeichnet, dass sie Menschen aller Altersstufen zu berühren vermag.
- Weswegen ich dann folgerichtig auch finde, dass es keinerlei Grund gibt, Kinder davon fernzuhalten.
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen