Natürlich ist das der Gang der Welt: Menschen sterben. Erst die Großeltern, irgendwann dann die Eltern. Wir wissen das. Aber dieses Wissen mindert den Schmerz kein bißchen. Das Schlimme ist nämlich: Mit jedem, der da vor uns war, stirbt auch ein Stück von uns selbst. Meine Omis und Opis kannten mich, schon bevor ich da war. Sie kannten mich, als ich noch ein Baby war - zu einer Zeit, als ich selber mich noch gar nicht kannte. Oma und Opa, Mama und Papa sind die, die wissen, wie ich einmal angefangen habe. Sie haben mich als Baby auf ihren Knien geschaukelt; meine ersten Schritte begleitet; meine ersten Worte gehört. All dieses Wissen geht, wenn sie sterben - unwiderruflich und für immer, genauso, wie mein Wissen über die ersten Schritte meines Kindes mit mir gehen wird, irgendwann - und ich meine Tochter zurücklassen werde, allein mit ihren eigenen Erinnerungen.
Und das ist der Schlüssel, das ist das, was der eigentliche Schmerz ist. Eines Tages ist klar: Jetzt gibt es keine anderen Erinnerungen mehr, als die deinen. Denn die, die mehr wußten, die, die dich kannten, noch bevor dein eigenes Gedächtnis eingesetzt hat, sind fort.
Man kann es "biographischen Bruch" nennen. Ich nenne es: Altern. Das Bewußtsein, zu wissen, dass man...
...allein ist mit seinen Erinnerungen.
Freitag, 3. April 2009
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Wenn es den Eltern gelungen ist, ein tiefes Vertrauensverhältnis zu den Kindern herzustellen, kommt ein Aspekt zu den verstorbenen Erinnerungen hinzu:
AntwortenLöschenNämlich das Reißen der Rückhaltesysteme, auch wenn das Benutzen eben dieser Rückhaltesysteme immer außerhalb jeder Frage für die zurückbleibenden, erwachsenen Kinder stand.
Das Bewusstsein, dass sie da waren und sie jederzeit hätten benutzt werden können, wäre es denn hart auf hart gegangen, hat das Leben leichter, unbeschwerter gemacht.
Vielleicht ist es vergleichbar mit dem Wohnen in einer Großstadt und dem Wunsch, sie nicht zu verlassen, weil doch kulturelle Einrichtungen "um die Ecke" sind. Auch, wenn sich das Benutzen kultureller Einrichtungen auf zwei Male im Jahr beschränkt.
Ach, ich weiß auch nicht. Sabrina