Mittwoch, 16. Dezember 2009

Lädiert

Es gibt Leute, die alle Nase lang fiese Zahnarzttermine haben - Wurzelbehandlungen, Kronen, Brücken etc. Zu denen gehör ich nicht. Mein letztes großes "Event" dieser Art liegt neun Jahre zurück, da hatte ich eine Parodontosebehandlung. Oder anders gesagt: Eine flotte Kürettage, bei der einem der Zahnstein UNTER dem Zahnfleisch entfernt wird. Tja, nun war es wieder soweit - Behandlungsrunde zwei. Heute. Die volle Betäubungsdröhnung (ich hasse es, wenn ich die Hälfte meines Gesichts nicht fühle und dazu den Eindruck habe, dass mir der Sabber aus dem Mundwinkel läuft) und das Messerchen.

Andere mögen sowas entspannt "wegstecken", ich nicht. Mit den Jahren habe ich auch gelernt, dass es weder Sinn macht noch irgendwem nutzt, wenn ich in Sachen "Schmerzempfindlichkeit" tue, als ob ich ein Indianer wäre. Fakt ist nämlich: Ich BIN empfindlich. Extrem sogar. Und ja, wenn ich Schmerzen, gleich welcher Art, aus dem Weg gehen kann, dann tue ich das.

Dabei ist für mich interessant, dass sich mein Umgang mit mir hier deutlich seit meiner Schwangerschaft verändert hat. Vorher war ich in Sachen "Schmerzen ertragen" viel rigider mit mir selbst: Schmerzmittel nur im Notfall, man muß mal was aushalten können etc.

Nach meiner Entbindung (bis heute die schmerzhafteste Erfahrung meines Lebens überhaupt) hat sich diese Haltung grundlegend gewandelt (wie vieles andere auch, Mutter zu werden hatte bei mir in etlichen Bereichen regelrecht kathartische Effekte). Seither bekenne ich mich jedem Arzt und auch sonst jedem gegenüber dazu, dass ich empfindlich bin, nichts abkann - und noch viel wichtiger: Nichts abkönnen will. Es ist mir nicht mehr peinlich und es interessiert mich keinen Schnipp, ob mich der Rest der Welt in der Folge für ein Weichei hält oder nicht. Ich will nur nicht mehr leiden müssen, als es unbedingt nötig ist.

Und welchen Begleiteffekt hat das? Genau, richtig: Seitdem ich schon beim Betreten einer beliebigen Praxis die klare Ansage mache, dass ich empfindlich bin...

...werde ich auch so behandelt. Es gibt Fürsorglichkeit, Rückfragen und die passenden Rezepte.

Wunderbar. Manchmal lohnt es sich wirklich, auch mit Blick auf die eigene Lebensqualität, Haltungen und Denkmuster abzulegen, mit denen man mal großgezogen worden ist.

1 Kommentar:

  1. Hhmmmmmmm, irgendwie hat diese Betrachtung der Dinge etwas für sich.
    Möglich, das ich das mal als guten Vorsatz für 210 übernehmen werde.
    Liebe Grüße von Stricki die auch wegen Kotzerei im Bett liegt also liebe mitleidene Grüße an euch beide und gute Besserung

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