Mittwoch, 9. Dezember 2009

Siegfried Unseld. Thomas Bernhard. Der Briefwechsel.

Es gibt wenige Bücher, die ich sofort haben will. Dieses wollte ich sofort haben und war auch bereit, dafür 39,80 Euro auf den Tisch zu legen. Ich mußte es auch sofort lesen - trotz virenvernebeltem Dröhnkopf und dicker Schnupfennase - und so las ich es da, wo man (meiner Meinung nach) Bücher eh am besten liest, nämlich im Bett. Und: Ich mochte es. Sehr sogar. Obwohl die beiden Herren sich da eigentlich kaum mehr als "jeschäftliches" schreiben. Aber WIE sie das tun! Das ist großes Kino. Hier der "arme" Literat, der jammert und klagt und eine Zahlung an der nächsten aus seinem Verlag herausquetschen will - dort der versierte Verleger, der seinen "Verlagsdarling" sichtbar hegen und pflegen möchte, aber eben auch gezwungen ist, Grenzen zu setzen. Es gibt Momente in diesem Briefwechsel, wo sehr deutlich wird, dass es durchaus um mehr geht als "nur" Geld und Manuskripte - nämlich um die härteste und eigentliche Währung dieses seltsamen Geschäfts, die da heißt: Anerkennung - und Zuneigung. Oder eben auch: Aufmerksamkeit, um die gebuhlt wird.

Ich kenne die Gratwanderungen, die aus dem Umgang mit Autoren und Künstlern entstehen, zur Genüge. Den Seiltanz, den man immer zwischen Kommerz und Kunst zu tanzen hat. Meine Empathie galt daher Unseld. Aber von Bernhard, von diesem großen, gierigen, unendlich begabten Kind in Mannesgestalt war ich fasziniert.

Spannend auch, dass man in diesem Briefwechsel deutlich sehen kann: Literatur ist KEIN Einzelgänger-Individualisten-Alleinprodukt. Verleger, Lektoren, Hersteller, Vertrieb: Ohne all das wird auch aus dem besten Text kein Buch.

Lesenswert!

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