Freitag, 26. Juni 2009

kl.brüllen: Wanted: Super Mum - oder: warum ich keine Supermutti sein will

kl.brüllen: Wanted: Super Mum

Ganz ehrlich? Supermütter sind mir suspekt. Mir ist das "Mummi-Rat-Race" schon in der Krabbelgruppe übel aufgestoßen. Wie, dein Baby dreht sich noch nicht? Was, dein Kind ist 15 Monate und kann noch nicht laufen? Wie, du kochst nicht voll-biologisch? Von Anfang an hatte ich das Gefühl, in einem perversen Wettbewerb gelandet zu sein, in dem es vor allem um eines ging: Nämlich mütterliche Egos zu füttern.

Sorry, aber da mache ich nicht mit. Ich bin eine bekennende Nebenbei-Mutter. Ich liebe mein Kind, aber es ist NICHT mein Lebenssinn und ich definiere mich auch nicht darüber. Meine Tochter ist nicht dafür zuständig, mir Erfolgserlebnisse, Bestätigung oder sonst irgendwas zu liefern.

Ich bin glücklich und froh, diesen kleinen Menschen, der mir anvertraut ist, in sein Leben begleiten zu dürfen. Als so eine Art Schutzkonvoi. Ich seh mich als eine Art Geländer, an dem meine Kleine sich festhalten kann, wenn sie es braucht. Aber gehen muß sie allein - und zwar IHREN Weg, nicht meinen.

Kinder wachsen - und je mehr sie wachsen, desto mehr muß man sie loslassen können. Ich finde kaum etwas schlimmer als die ewigen Glucken, die genau das nicht können - und dann Leute heranziehen, die noch mit 30 unentwegt auf "Mamas Arm" wollen. Unselbständig, ohne Sinn für Verantwortung, unreif.

Ich sage nicht, dass mir dieses "loslassen" leicht fällt. Ich muß mich dafür oft genug disziplinieren. Zurückhalten, damit mein Kind seine eigenen Erfahrungen machen kann - auch, wenn es solche sind, die gelegentlich mal wehtun.

Warum? Weil das Leben kein Ponyhof ist, wie man so schön sagt. Weil dieser kleine Mensch irgendwann da draußen bestehen wird müssen - da draußen, wo es eben nicht nur kuschlig und lustig, sondern oft genug gemein, böse und mies zugeht.

Damit sie das irgendwann packen kann, stopfe ich meine Tochter nicht nur voll mit Liebe, sondern auch mit "Neins". Ich halte es aus, dass sie mich eine "gemeine Mama" nennt, wenn sie nicht bekommt, was sie will, dass sie schreit und wütend ist und sich mit mir streitet.

Das ist anstrengend. Für uns beide.

Aber ich glaube, dass es ohne "Nein" auch kein wirkliches "Ja" geben kann - und dass man als Mensch in der Lage sein sollte, beides aus vollem Herzen sagen zu können.

(die "vielleichts" kriegen wir später :-) ).

Nein, ich bin keine Super-Mutter. Ich bin eine stinknormale 41jährige, die einfach nur versucht, durch den Tag zu kommen - mit Kind und Kegel und Bergen unabgewaschenen Geschirrs plus einer halbsenilen Katze, die die Wohnung so konsequent zuhaart, dass selbst der beste Staubsauger irgendwann aufgibt.

Aber ich denk mir: Es ist halt so, das Leben. Ein Marathon, ein Stolperkurs, eine Schlängelstrecke - unübersichtlich, langatmig, belanglos und gelegentlich bedeutend.

- Und das wichtigste ist: Einfach auf der Strecke zu bleiben - alle miteinander.

2 Kommentare:

  1. Du sprichst mir aus der Seele. Ganz genau so halte ich es auch. Und weisste was? Diese "Übermuttis" die einen ungebeten mit tollen Ratschlägen zupflastern sind oft Muttis die zuhause den Superterror haben weil sie weder ja noch nein aus vollem Herzen sagen können.
    Sie haben es nicht gelernt, oder was wichtiges nicht verstanden.
    Habe ich schon mehrfach erlebt wenn ich mit meinem Sohn woanders war wo ich vorher immer dachte dass sind Vorzeigefamilien.
    Denkste.

    Liebe Grüße
    Tascha

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  2. Nu, dann sollten wir vielleicht mal den Club der Nebenbei-Mütter gründen?
    :-)

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