Ich weiß, es ist heikel. Wie redet man über das WC, ohne dass es wahlweise peinlich, vulgär oder verkrampft wird? Und vor allem: Wie, ohne in Fäkalsprache zu verfallen und blöde Schenkelklopfer zu produzieren?
Dabei ist das ein ur-menschliches Thema. Genauso, wie wir alle essen, scheiden wir auch alle aus. Wir beschäftigen uns nur nicht so gern damit. Ok, es gibt Ausnahmen: Wer mal versucht hat, ein Baby mit Blähungen zu beruhigen, weiß, wie unendlich glücklich es beide Beteiligten (Baby und Beruhiger) machen kann, wenn die Verdauung dann ENDLICH funktioniert. Auch die Phase, in der ein Kleinkind lernt, wozu das Porzellanding da im Badezimmer gut ist, ist gemeinhin eine Quelle der Freude: Für das Kleinkind, weil es wieder ein Stück mehr von dem kann, was Mama und Papa auch können - und für die Eltern, weil dann die endgültige Entsorgung des Windeleimers in Reichweite rückt (ich kenne Familien, in denen die Frage, wer damit dran ist, den Windeleimer zu leeren, zu ernsthaften Krisen geführt hat). Naja, und für alte Menschen ist Verdauung natürlich auch ein Thema. Aber sonst?
Sonst scheiden sich die Geister eigentlich an genau einer Frage:
Lesen oder Nichtlesen?
Also auf dem "stillen Örtchen".
Für Hardcore-Leser ist die Antwort ja klar, die lesen immer und überall und sogar die Rückseite der Conflakes-Packung, aber bei den Gelegenheitslesern gehen die Meinungen da durchaus auseinander - und die Gewohnheiten auch. Ich werde z.B. immer mißtrauisch, wenn ich bei jemandem zum ersten Mal zu Besuch bin und dann ein gänzlich text-freies WC vorfinde. Dies läßt nämlich auf einen sog. "Schnell-Ausscheider" schließen. Meiner Erfahrung nach sind diese aber für Leute wie mich nur schwer verdaulich: Der Grundcharakter des "Schnell-Ausscheiders" ist hektisch, mit Neigung zur Hysterie, meistens können die auch mit gutem Essen nichts anfangen und sind auch ansonsten wenig sinnenfroh, geschweige denn entspannt.
Nun muß man sich ja nicht gleich die "theologische Vierteljahresschrift" ins Häuschen legen (Angeberei), aber so ein bisserl nette Lektüre...das schafft doch gleich eine Grund-Sympathie. Ist dann noch eine Klobürste in einem vertretbaren Zustand und ein flauschiges Gästehandtuch vorhanden, dann ist schon viel gewonnen. Für mich jedenfalls ;-).
Nicht so den Brüller dagegen fand ich das sich automatisch bei Betreten des Badezimmers einschaltende Radio, was ich mal bei einem Kollegen erlebt hab. Hektische Popmusik und Dudelfunk-Moderation empfinde ich nicht als förderlich, sondern eher als verstörend. Da bin ich ganz bei den Chinesen. Die (sagt Wiki) nennen den Toilettenraum gern die "Halle der inneren Harmonie". Nu zeig mir mal einer, wie man mit Dieter Bohlen und AC/DC zu innerer Harmonie finden soll. Ist doch Essig!
Gut, dass die früher allgemein üblichen Flach- fast überall gegen Tiefspüler ausgetauscht worden sind, damit hab ich leben gelernt. Womit ich noch immer versuche, umzugehen, ist der Fakt, dass man als Erwachsener sein Klo auch selber putzen muß (unter dem Schutz von Papst Julius I, der der Patron der Latrinenreiniger ist, sagt auch Wiki). Und dass es Sinn macht, den Lesestoff im Regal neben dem Örtchen gelegentlich nicht nur auszutauschen, sondern auch weder zu spannend (es ist schon vorgekommen, dass ich Besucher erst eine halbe Stunde später wiedergesehen habe, weil sie so glücklich waren, endlich mal wieder Asterix lesen zu können) noch zu flach (das sind die Besucher, die sich schnell verabschieden, weil sie Frauen, die Instyle lesen, total indiskutabel finden) zu wählen - sondern möglichst so, dass der Eindruck ein allgemein freundlicher bleibt.
Achja, und last not least: Was man nie, nie, nie auf dem Örtchen liegen lassen sollte,
ist ein Gameboy oder Nintendo. Sonst sieht man nämlich weder seine Mitbewohner noch sonst irgendwen je wieder.
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