Als ich so etwa acht Jahre alt war, bemühte sich meine Oma, mir die Grundkenntnisse im Häkeln und Stricken zu vermitteln. Nun, sie mühte sich redlich, ich auch, aber es...ging nicht. Warum? Weil ich Linkshänderin bin. Und Oma Rechtshänderin war. Zum Glück war Oma aber auch ziemlich schlau - und löste das Problem, indem sie sich vor einen Spiegel setzte und dann sagte: "Guck mal, das, was ich da im Spiegel mache, das machst du einfach nach". Das klappte dann.
Es klappte sogar so gut, dass ich mit 12 Jahren mit ein wenig Unterstützung von Oma in der Lage war, Taschentücher zu umhäkeln. Bis heute bin ich stolze Besitzerin zweier selbstumhäkelter Taschentücher - ich halte sie hoch in Ehren und benutze sie nie.
In der Mittelstufe reihte ich mich dann in die "Liga der lustigen Strickerinnen" ein. Seltsamerweise galt es als an der Katholischen Mädchenschule, die ich seinerzeit besucht habe, als völlig in Ordnung, während des Religionsunterrichts die Nadeln zu schwingen - ich vermute, vor allem deswegen, weil das Nadelgeklapper den Schlaf des Monsignores weniger störte als das Plappern von 30 Backfischen (falls jetzt jemand stutzen sollte: Ja, wir hatten tatsächlich einen Religionslehrer, der im Unterricht zu dösen pflegte. Im Rückblick gar nicht so verkehrt, wer weiß, wie die Sache gelaufen wäre, wenn er weniger geschlafen und mehr geredet hätte).
Leider war ich im Stricken nicht sonderlich begabt. Die Höhepunkte meines Wirkens waren ein knallorangener Schal, ein zeltartiger Pullover und ein formloser braun-beiger Pullunder. Ich hatte keinerlei Probleme, diese Werkstücke zuzeiten in die Altkleidersammlung zu geben.
An den Taschentüchern aber hänge ich. Manchmal hole ich sie heraus, schaue sie mir an - und denke dabei an meine Oma. Ich höre wieder ihre Stimme, das Berlinern mit tschechischem Akzent - und ich erinnere mich an das Bild im Spiegel: An die kleine, runde Frau mit den schlichten Klammern im grauen Haar - und an das achtjährige Mädchen neben ihr, das ich mal war.
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