In Hamburg umrundet man beim Sonntagsspaziergang am liebsten ein Gewässer: In der City die Außenalster, in Harburg den Außenmühlenteich. "Man" heißt: Am Sonntag wälzt sich ein endloser Lindwurm von Joggern, Nordic-Walkern, Familien mit und ohne Kinderwagen, Senioren, Teenie-Grüppchen, Kinder mit allen Arten von Fahrzeugen plus Hunden am Ufer entlang, energisch entschlossen, einmal das Gewässer zu umlaufen, um sich anschließend den Wonnen des Kaffee-und-Kuchen-Fassens hingeben zu können.
Wobei das ja nicht allein ein Hamburger Phänomen ist. Ich habe mich zuzeiten auch im Lindwurm um diverse Talsperren, die Tümpel in den Rheinauen und ein, zwei Mal um den Laacher See gewälzt. Wobei der Laacher See schon gesunde Füße fordert (plus die Mentalität des "Kampfspaziermarschierers"), weil er mit seiner Größe die typische Dauer des klassischen Sonntagsspaziergangs ("ein Stündchen an die frische Luft"....) locker verdreifacht.
Was aber bringt uns dazu, Sonntags um ein Gewässer herumzurennen? Tradition? Oder ist das in unseren Genen verankert? Hat sich damals schon Familie Neandertal grunzend erhoben, um - Vater vorweg, Mutter und Kinder hinterher - stampfend irgendein Wasserloch zu umkreisen?
Als sicher kann gelten: Homo sapiens umrundet enorm gern. Da weiß man, wo es lang geht, und wenn man herum ist, dann weiß man, man hat was geschafft. Rundwege sind sicher, verläßlich und man muß keine Angst haben, unterwegs verloren zu gehen.
Wobei - die Angst muß man eigentlich sowieso nicht haben, nicht mal dann, wenn man den Globus umrundet. Irgendwann kommt man IMMER wieder da an, wo man losgelaufen ist. Das ist ja das Schöne an einem Kreis.
Warum wir genau den dann auch für unsere Zeitmessung nutzen, unsere Uhren rund sind - und auch die Zeiger auf den Uhren Runde um Runde drehen - und zwar linksherum, nicht rechtsherum -
- darüber mach ich mir dann ein andern Mal Gedanken.
Sonntag, 25. Januar 2009
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Ich glaube, dass der Vorteil von Rundwegen ist, nicht zurück gehen zu müssen. Nichts ist frustrierender als an das Ende eines Weges zu gelangen und dann den gleichen Weg zurück gehen zu müssen. Und was das Umrunden von Gewässern betrifft: Starres Starren auf Wasserflächen beruhigt strapazierte Nerven ungemein.
AntwortenLöschenMeint:
Sabrina, gutes Argument.
AntwortenLöschenDas mit dem stillen starren Starren ist allerdings zumindest am Harburger Gewässer so eine Sache. Das Stichwort: Wassergeflügel. Als wir am Sonntag da waren, wurde dieses gerade gefüttert. Nun, ich tappte also mitten durch eine Geflügel-Wolke. Bis...bis auf meinem direkten Kurs ein Schwan war. Ich marschier auf den Schwan zu - der Schwan guckt mich an und denkt nicht im mindesten daran, mir den Weg freizumachen. Nachdem wir kurz Auge in Auge einander gegenüberstanden, bin ich dann ausgewichen. ICH BIN EINEM SCHWAN AUSGEWICHEN! Irgendwie war danach mein Weltbild empfindlich gestört.
... interessanterweise wird Wassergeflügel stets von a) Klein(st)kindern oder b) Rentnerinnen gefüttert. Ich lehne das Füttern von Federvieh generell ab und bin dankbar für das italienische Fütterverbot, was es mir wieder ermöglicht realtiv unbehelligt über den Markusplatz in Venedig zu gehen.
AntwortenLöschenWas den Schwanschlenker betrifft: Denken wir uns einfach es wäre schon das Frühjahr angebrochen. Schließlich weiß jeder, dass man brütendenden und Schwänlein bewachenden Schwänen aus dem Weg gehen muss ;-))
von Vogelphobien geplagt: Sabrina