"Lerne dich selbst in einem Wochenendseminar kennen" wirbt ein fröhlicher Seminaranbieter und hätte dafür gern die bescheidene Summe von rund 230 Euronen. Mein erster Gedanke: Nur ein Wochenende? Ja, reicht das denn hin, um all die Tiefen, Geheimnisse und verborgenen Schattierungen meines "Ichs" zu erkunden? Mein zweiter Gedanke: Gut, wenn man im Ergebnis für 230 Euro endgültig weiß, mit wem mans eigentlich zu tun hat, dann ist das bestimmt das Geld wert.
Die Frage ist nur: Will ich das?
Bisher bin ich mit dem, was ich über mein Selbst weiß, eigentlich hinreichend zufrieden. Ich weiß, dass ich lieber Kaffee als Tee trinke, lieber lang als kurz schlafe, mir nur ungern eine Bowlingkugel auf den Zeh fallen lasse und gern nach Japan reisen würde, wenn ich denn könnte. Insgesamt ist mein Selbst das Analog zu einem ollen VW Golf: Nicht besonders schick, nicht besonders schnell, aber es langt, um von A nach B zu kommen, und Gas, Bremse, Heizung und Radio funktionieren.
Reicht doch. Oder nicht?
Was erhoffen sich denn die ganzen Selbstsucher? Dass ihr Ego viel toller ist als gedacht? Oder dass sie dann endlich verstehen, warum sie in der 4. Klasse von Torben, Ingo oder Markus diese blöde Abfuhr oder wahlweise einen auf die Nuß bekommen haben? Oder dass sie dann endlich, endlich den tieferen Sinn in ihrem Leben entdecken?
Einer der Restsätze, die mir aus meinem kurzen Philosophie-Semester hängen geblieben sind, lautet: "Sein vollzieht sich im Tun". Anders gesagt: Leb halt. Dann merkst du schon, wer du bist - und wer nicht.
Jedenfalls dann, wenn du gelegentlich bereit bist, aus den Erfahrungen, die du machst, auch was zu lernen.
Aber vielleicht ist das ja das eigentliche Problem.
Mittwoch, 21. Januar 2009
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